Engagement und Solidarität

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Engagement und Solidarität

Wir müssen das ehrenamtliche Engagement noch viel mehr fördern und anerkennen, damit es erhalten und wirklich zum Wesenselement der Gesellschaft wird.

Über 30 Millionen Menschen engagieren sich freiwillig und unbezahlt in ehrenamtlicher Arbeit. Nimmt man die vielen noch hinzu, die in Sozial- und Gesundheitsberufen für ihre Mitmenschen arbeiten, müsste man sich um die Solidarität in unserer Gesellschaft eigentlich nicht sorgen. Doch auch in meiner Arbeit als Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement habe ich zwei Dinge festgestellt: Es gibt es diesen unermesslichen Schatz an praktischer, täglich geübter Solidarität – und dennoch verroht unser Zusammenleben, leben viel zu viele Kinder, Alte, Alleinerziehende oder Obdachlose in Armut, werden Pflegekräfte schlecht bezahlt und pflegende Angehörige nicht genug unterstützt. Und so segensreich die Tafeln sind, so sehr ist es doch ein Skandal, dass es so viele Menschen gibt, die auf sie angewiesen sind.

Für mich heißt das: Wir müssen das ehrenamtliche Engagement noch viel mehr fördern und anerkennen, damit es erhalten und wirklich zum Wesenselement der Gesellschaft wird. Ehrenamtliche wollen selbst kein Geld für ihre Arbeit, aber der Staat muss ihnen alle Hilfsmittel geben, die sie für ihre Arbeit brauchen. Insbesondere geht es um eine adäquate Infrastruktur und strukturelle Förderung. Eines muss klar sein: Ehrenamtlichkeit darf niemals als billiger Ersatz für staatliche Aufgaben missbraucht werden.

Vieles von dem, was ich als Staatsekretärin für bürgerschaftliches Engagement in Berlin auf den Weg bringen konnte, sollte auch bundespolitisch aufgegriffen und verstärkt werden: Mehr Anerkennung und bessere Infrastruktur für Ehrenamtliche und ihre Arbeit, aktive Gewinnung von Unternehmen, Institutionen und NGOs für den Aufbau einer landesweite Anerkennungskultur oder auch die Entwicklung und Erprobung von Verfahren für die Aufstellung von Bürgerhaushalten – warum nicht auch im Bund?

Corona macht es überdeutlich: Solidarität muss viel stärker zur Grundhaltung unserer Gesellschaft werden. Dafür müssen wir auch die Sozialpolitik verändern. Das kann beginnen mit der Weiterentwicklung von Hartz IV, darf sich darin aber nicht erschöpfen. Meine Familie musste lange Zeit von Sozialhilfe leben und deshalb weiß ich wovon ich spreche, wenn ich sage: Viele staatliche Leistungen helfen und entwürdigen zugleich. Millionen nehmen ihren Anspruch auf Grundsicherung im Alter nicht wahr, weil sie sich ihrer Bedürftigkeit schämen und den Gang zum Amt scheuen. Wir binden die Höhe und Art der Vergabe staatlicher Leistungen viel zu misstrauisch an die Verhinderung möglichen Missbrauchs, statt an die Würde der vielen unverschuldet Bedürftigen, die respektierte Mitglieder der Gesellschaft bleiben müssen. Solidarität ist nicht gleichbedeutend mit staatlichen Milliardenprogrammen, sie bedeutet menschliche Zuwendung und ein starkes Gefühl füreinander.

Wir als SPD sind die Partei der sozialen Gerechtigkeit und nicht minder die der Solidarität. Weniger als die Abschaffung der Armut dürfen wir uns in einem der reichsten Länder der Welt nicht vornehmen. Dafür will ich mich auch im Bundestag einsetzen. Dafür brauche ich eure Unterstützung.