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Sawsan Chebli ist Teil der Kampagne #KeineExperimente

Sawsan Chebli ist Teil der Kampagne #KeineExperimente

„Keine Experimente“ ist ein klassischer Anti-Slogan: Immer wieder wurde er benutzt, um einen Status quo zu verteidigen. Die Adenauer-CDU verwendete ihn 1957 in einem Abwehrwahlkampf. Damals genügte es, mit der Angst vor Veränderung zu operieren: Was neu und anders ist, kennen wir nicht und wollen wir nicht. „Keine Experimente“ steht somit auch für Stillstand, Skepsis gegenüber Erneuerung – und letztendlich auch für die Verneinung von Tatsachen. Deutschland wandelt und erneuert sich nämlich jeden Tag. Das gilt besonders für Berlin.

Diejenigen, die sich in der Gesellschaft engagieren, sind heute zu einem Großteil weiblich. Sie haben oft diverse kulturelle Prägungen und einen „Migrationshintergrund“. Dennoch gelten sie im medialen und politischen Diskurs meist als Ausnahmeerscheinung. Wann immer sich Frauen mit nicht-deutschen Eltern aus der Deckung wagen, egal, wie tief sie im gesellschaftlichen und beruflichen Leben verwurzelt sind, werden ihr Frausein und ihre Herkunft zum Thema der Debatte. Es wird angenommen, dass sie sich trotz ihrer Weiblichkeit und trotz ihrer diversen kulturellen Erfahrungen durchgesetzt haben. Dass beides nicht ein Handicap, sondern ein Potenzial darstellt, tritt dabei meist in den Hintergrund. Und sie werden besonders oft zum Ziel von Angriffen in Sozialen Netzwerken.

Die Plakate sind Teil einer freien, nicht-kommerziellen, künstlerischen Intervention, die mit Stereotypen und Erwartungshaltungen spielt. Auf diese Weise bedient sie sich auch des Anti-Slogans „Keine Experimente“. Sie dekonstruiert ein Klischee, ohne belehrend aufzutreten. Sie gleicht die mediale und politische Debatte über Rollen- und Geschlechterbilder mit der empfundenen Wirklichkeit im Alltag ab. Sie stellt Frauen vor, die miteinander solidarisch sind. Und sie stellt deren Migrationshinter- buchstäblich in den Vordergrund. Diese Frauen sollten nicht mehr beweisen müssen, dass sie deutsch genug, stark genug sind oder sich durchsetzen können. Sie sind keine „Experimente“ und haben genug davon, als solche wahrgenommen zu werden. Sie sind „normal“ und bestimmen mit darüber, was heute die gesellschaftliche Norm in Deutschland ist.

Im Hintergrund zu sehen ist ein Pardeh, ein aus sechs Stoffbahnen gewebter Vorhang, der im späten 19. Jahrhundert als Werk kurdisch-nomadischer Kunsthandwerkerinnen im Osten Anatoliens entstand. Für die Galeristin Anahita Sadighi, eine der Initiatorinnen der Aktion, ist dies ein „Pardeh der Deutschen Einheit“. In dem wertvollen Stoff sind goldene, aufwärtsgerichtete Pfeile eingewebt. Der Pardeh ist in das Schwarz-Rot-Gold der Märzrevolution von 1848 gefasst, den späteren Farben der deutschen Demokratiebewegung und der Bundesrepublik.

Die Aufnahmen machte der israelische Fotograf Yotam Shwartz. Zu sehen sind: Anahita Sadighi (Galeristin), Sawsan Chebli (Politikerin), Susana AbdulMajid (Schauspielerin), Muriel Wimmer (Schauspielerin), Elisabed Abralava (Aktivistin), Elke Foltz (Künstlerin), Rebecca Korang (Performance Artist), Nazanin Ebadi (Designerin)

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